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Erdkraft August 2022

Aktualisiert: 20. Sept. 2022

Manchmal sind Verbote ganz gut. Das Feuerverbot hat mich kurzfristig dazu gezwungen einen anderen Platz zu suchen. Dabei hat sich einen wunderbaren Platz hoch oben auf der Kuppe in Schlossrued (Kt. AG) angeboten. Von dicken Nebel über Regenduschen und kalten Windböen bis hin zu wunderbar wärmenden Sonnenstrahlen war alles dabei. Doch die Teilnehmenden haben sich der Natur vollkommen hingeben können.




Der Platz auf der Kuppe war windig und um das Feuerverbot einhalten zu können, mehr als 50 Meter vom Waldrand entfernt. Der Wetterbericht meldete Regen. So richtete mein Partner, Patric ein Basislager ein. Bei Platzregen stemmten wir die Baumstämme, zogen eine Plane drüber und mit einem Spaten hoben wir die Grasnarbe aus um ein gemütliches Lagerfeuer einzurichten.


Auf die letzte Minute wurden wir fertig und trafen die Teilnehmenden am vereinbarten Treffpunkt. Da war so viel Nervosität, Adrenalin und Unsicherheit zu spüren. Zu Fuss auf dem Weg ins Basislager hat die Natur schon einige Aufregung transformiert.


«Sich auf die Natur einzulassen bedeutet Hingabe. Hingabe, sich dem zu öffnen, was sich zeigt, bereit sein, Bewusstsein zu erschaffen, Altes loszulassen und die Stimme unseres Herzens zu hören.» Bernadette Hug

Oben angekommen, richtete sich jeder seinen Schlafplatz ein. Für fast alle, war es die erste Nacht (alleine) in der Wildnis. Gebettet auf dem Erdboden, inmitten grösster Lebendigkeit. Ein Dach aus Plane, viel mehr war da nicht. So aufregend und herzerfüllend, wie sich die ganze Gruppe eingelassen hat und wie schnell Vertrauen und Klarheit eingekehrt ist.


Während die Tarp's aufgestellt wurden, hat Patric die Wald-Tavolata vorbereitet. Und so langsam brach auch die Abendstimmung ein. Wir erwarteten die Gruppe am Lagerfeuer. Ich konnte es kaum erwarten, wie es meinen Teilnehmenden geht, wo sie in ihrem Leben stehen, welchen Ängsten sie sich gerade stellen und was sie sich von den drei Tagen in der Wildnis erhoffen. Die Check-in Council Runde gab Aufschluss und die Gruppenteilnehmer teilten ähnliche Themen, so entstand sofort eine tiefe Verbundenheit.




Wald-Tavolata mit selbstgemachten Köstlichkeiten aus der Natur, zubereitet im und auf dem Feuer.






Die Aufregung wurde weniger, die Müdigkeit kehrte ein. Nach der grossartigen Verpflegung und ein paar Stunden Lagerfeuer machten sich die Teilnehmenden auf den Weg zu ihrem Schlafplatz inmitten unberührter Natur.


Der Weckruf - ein lautes Wolfsgeheule. Ein wärmendes Feuerporridge mit Cowboykaffee bevor wir uns in Regenkleidung stürzten und Laubhütten bauten, Kräuter für das Essen sammelten und Steinöfen errichteten. Doch zuerst nahm es mich wunder, wer die erste Nacht wie erlebt hat. Viele persönliche Ängste wie das alleine sein, die Dunkelheit, die Nässe und Kälte konnten bereits überwunden und transformiert werden. Auch wenn sich der Schlaf womöglich in Grenzen gehalten hat, die Natur macht gute Laune. Frühe Morgenstunden, ein Lachen über beide Wangen und bereit für neue Herausforderungen.

"Der klarste Weg ins Universum führt durch eine Waldwildnis." John Muir

Der neue Tag brachte so viel Spass, Spiel und neue Möglichkeiten. Wir trotzten dem Regen, erschufen mit unseren Händen zwei gemütliche Waldbetten (Laubhütten), erweiterten unser Wissen über Kräuter und suchten unsere persönlichen Kraftplätze. Wir weiteten unsere Sinnen, rochen, schmeckten, fühlten die Natur und kamen in Kontakt mit unserem ursprünglichen Sein.


Abends bereitete die Gruppe für uns Leitenden Glut-Gemüse, Steinofenbrote, Feuer-Risotto und Schoggi-Cake vom Dutch-Oven zu. Das Kochen in der Natur ist so einfach und so lecker.


Am Sonntagmorgen waren dann alle richtig tief eingetaucht und angekommen. Der Alltag war vergessen, die Stimmung bei allen erhellt. "Jetzt könnte ich gleich noch tagelang hier verbringen" so der Wunsch der Teilnehmer. Die Morgenmeditation am flackernden Feuer erinnerte an die Melodie der Herzen und liess die Gruppe sanft in den Tag starten.


Der Geruch des Waldbodens. Die letzte Naturerfahrung am Sonntagmorgen verbindete uns mit unseren inneren Kinder. Schlamm, Anschleichen, viel Spiel, Spass, Spannung und Gelächter. Die Gruppe kam so richtig aus sich heraus und liess sich vollkommen in die Welt der Wildnis ein.


Am Ende angekommen. So glückliche und strahlende Augen habe ich selten gesehen. Alle waren so unglaublich stolz auf sich selbst, pure Erfüllung und ein klares Ja zum Leben zeichnete sich die letzten drei Tage ab.









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